Feldhasen & Wildkaninchen

Wildohren

Wir möchten darauf hinweisen, dass es sich bei den nachfolgenden Informationen um Informationen für den Notfall handelt.
Einen Feldhasen oder ein sonstiges Wildtier der Natur zu entnehmen, erfüllt den Straftatbestand der Wilderei und kann rechtlich verfolgt werden.

Nach Paragraph 43 (6) BNatSchG zufolge ist es allerdings zulässig, kranke oder verletzte Tiere vorübergehend aufzunehmen um sie gesund zu pflegen. Entgegen der lang läufigen Meinung, der Mensch müsse ein scheinbar verwaistes Wildtierbaby anfassen und mitnehmen, um ihm zu helfen, handelt es sich dabei allerdings um einen schwerwiegenden Eingriff in die Natur, die dem Wildtier wesentlich mehr schadet, als ihm nützt. Bitte fassen Sie nie ein Wildtier in freier Natur an! Auch wenn Sie der Meinung sein sollten, es könne „verwaist“ sein!

Bitte bedenken Sie, dass zu den schlimmsten Räubern in der Natur unsere geliebten Haustiere wie Hund und Katze zählen. Wie oft kommt es vor, dass Hund oder Katze ein solches Lebewesen nach Hause schleppen? Dann ist meist guter Rat teuer. Um Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen, werden viele dieser Wildtiere von den Besitzern des „Räubers“ einfach wieder irgendwo ausgesetzt. Doch das ist der sichere Tod für diese Tiere. Meist verletzt durch das Gebiss von Hund oder Katze verbluten sie entweder elendig, oder, wenn sie Glück hatten und keine Verletzung davongetragen haben, was aber äußerst selten ist, dann verdursten und verhungern sie, da die Muttermilch fehlt.

Bitte bedenken Sie all dies, sollten Sie Ihre Katzen zum Streunen nach draußen schicken oder mit Ihrem Hund in Wald und Flur unterwegs sein. Achten Sie bitte darauf, was Ihr Hund macht. Vielleicht ist Ihnen auch gar nicht bewusst, dass Ihr Hund nicht einfach nur so aus Spaß an der Freud im Feld buddelt, sondern hart ackert, um den gefundenen Wildkaninchenbau auszugraben? Ermahnen Sie ihn, wenn er plötzlich ganz aufgeregt eine Spur verfolgt. Damit können Sie vielleicht noch rechtzeitig verhindern, dass er eine Sasse mit Feldhasenbabies aufstöbert.

Sollten Sie aber dennoch von Ihrem vierbeinigen Freund ein solches kleines Lebewesen nach Hause gebracht bekommen, dann handeln Sie bitte schnell. Informieren Sie umgehend die BunnyHilfe e.V., die Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen wird. Jede vergeudete Minute ist für das Tier ein Schritt näher zum Tod. Auch wenn die Tiere nach außen keinen verletzen Eindruck machen, haben in der Regel fast alle von Tieren angeschleppten Feldhasen- bzw. Wildkaninchenbabies keine Überlebenschance, sollten Sie nicht in erfahrene Hände geraten. Schon so manch gut gemeinter Versuch eines Laien, das Tier selber aufzuziehen, hat den Tod des Wildtieres zur Folge gehabt.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Sie können uns in dringenden Fällen unter 0152 34329691 anrufen oder eine aussagekräftige Whats App schicken.

Bei verletzten Feldhasen, bzw. Wildkaninchen wenden Sie sich nachts bitte umgehend an den tierärztlichen Notdienst. Die Nummer können Sie meist bei der zuständigen Polizeibehörde erfragen.
Alternativ können Sie sich auch an die Notfallnummer des Wildtierwaisen Schutzes wenden unter 0151 41666688.

Unser eindringlicher Appell noch einmal an dieser Stelle: Bitte fassen Sie keine Wildtiere und deren Babies in freier Natur an!! Diese Jungtiere sind damit zum Tode verurteilt, weil sie von ihren Müttern verstoßen werden, da sie nach Mensch riechen. Sollten Sie dennoch Wildtiere angefasst oder mitgenommen haben, benachrichtigen Sie bitte umgehend die zuständigen Behörden, die Ihnen weiterhelfen werden.

Professionelle Aufzucht & Fürsorge

Handaufzucht

Wildhase Nierstein
Kleiner Feldhase, nur „scheinbar“ verlassen. Bitte unbedingt sitzen lassen!

Nicht selten kommt es vor, dass Spaziergänger in Wald, Feld und Wiese auf „so mutterseelenallein herumsitzende“ Feldhasenbabies treffen und der Meinung sind, dass diesen Tieren ohne menschliche Hilfe der sichere Tod drohe. So werden diese Feldhasen von unwissenden Menschen einfach mitgenommen. Doch genau dort, wo sie gefunden wurden, ist ihr natürlicher Lebensraum. Feldhasen haben, ganz im Gegensatz zu den Wildkaninchen, keine Höhlen zur Aufzucht ihrer Jungtiere. Sie legen ihre Babies auf Feldern oder Wiesen in Mulden, den so genannten Sassen, ab und überlassen ihre Babies dem Schicksal. Feldhasenmütter sind „Rabenmütter“. Sie kommen in der Regel nur einmal am Tag zu ihren Jungen, um sie zu säugen. Da kann es natürlich schon mal passieren, dass man bei längerer Beobachtung eines solchen einsam sitzenden Babies auf den Gedanken kommen könnte, es wäre verstoßen und auf sich allein angewiesen. Doch so ist es nicht! Das ist sein Zuhause, seine Kinderstube, in der es glücklich ist. Begehen Sie bitte nicht den gut gemeinten Fehler, ein Feldhasenbaby aus irgendeiner Mulde herauszuholen, das wäre so, als ob Sie ein Menschenbaby aus seinem Kinderbett nehmen. Etwas anders sieht es aus, wenn Sie ein Feldhasenbaby irgendwo auf Asphalt, wie z. B. im Straßengraben oder auf dem Bürgersteig, herumliegen sehen. Da gehört nun wirklich kein Feldhase hin und bedarf dringend menschlicher Hilfe, da er sonst elendig verenden würde.

Die Handaufzucht von Feldhasenbabies unterscheidet sich deutlich von der von Wildkaninchen. Daher sollten Sie wirklich sicher sein, um welches Tier es sich handelt. Bitte vergleichen Sie die Bilder auf unseren Aufzuchtseiten einmal vom Feldhasen und dann vom Wildkaninchen. Auch wenn Sie der Meinung sind, Sie hätten ein Wildkaninchen, weil ja „… die Ohren noch so klein sind …“ bitten wir zu bedenken, dass jeder klein anfängt, und auch die später riesigen Löffel der Feldhasen bei einem Baby sehr klein und kurz sind.
Schauen Sie sich die Augen Ihres Findlings genau an. Haben sie in der Mitte eine dunkle Pupille mit einer deutlich abgegrenzten, wesentlich helleren Iris? Und ist das Fell vielleicht auch leicht kräuselig und meliert? Dann dürfte es sich bei Ihrem Kleinen um einen Feldhasen handeln. Ein Wildkaninchen hat fast vollständig dunkle Knopfaugen und ein glattes Fell.

Ganz wichtig ist, dass Sie vor Beginn einer Handaufzucht den Feldhasen wiegen. Anhand des Gewichtes kann man in den ersten Tagen relativ gut das Alter schätzen.

Bitte beachten Sie, dass Sie einen Feldhasen nie unter Rotlicht setzen! Er trocknet dabei aus! Ein Feldhase braucht kein Rotlicht, genauso wenig wie ein Wärmekissen oder eine Wärmflasche. Sein Fell ist von Natur aus so dicht, dass es ihn vor Kälte schützt. Die gut gemeinte Wärme aus der Lampe oder jeder zusätzlichen Wärmequelle kann ihn austrocknen! Feldhasen werden oberirdisch in einer Sasse geboren und sind von der ersten Minute an den Witterungsverhältnissen ausgesetzt. Sie sind von Natur aus so „ausgestattet“, dass sie damit fertig werden. Daher bitte zuhause nie zusätzlich wärmen, in der Natur wird ein Feldhase auch nicht gewärmt!
Feldhasen haben ein extrem empfindliches Verdauungssystem, das mit sämtlichen Zusätzen wie Dosenmilch, Traubenzucker, zusätzlichen Vitaminen etc. nicht viel anfangen kann. In den schlimmsten Fällen kann es zu den so gefürchteten Blähbäuchen mit Todesfolge kommen. Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, ist es empfehlenswert, diese Tiere ausschließlich mit Katzenaufzuchtmilch wie Cimi Lac, KMR oder von der Firma Gimborn zu ernähren. Bitte keine Menschensäuglingsnahrung verwenden!

Verwechseln Sie bitte auch nicht die Katzenaufzuchtmilch mit der normalen im Handel erhältlichen Katzenmilch. Die normale Katzenmilch, die meist schon fertig angerührt ist, ist auf keinen Fall zu verwenden! Die Katzenaufzuchtmilch rühren Sie bitte im Verhältnis 1 : 2 an, also einen gestrichenen Esslöffel Aufzuchtpulver und zwei Esslöffel Tee. Als Tee können Sie normalen Kamillentee oder auch Fencheltee verwenden.Sollten Sie auf die Schnelle keine Aufzuchtmilch bekommen, können Sie als Notversorgung für die erste Nacht auch ausschließlich eine der erwähnten Teesorten verwenden. Aber bitte immer nur als Notversorgung, bis Sie morgens schnellstmöglich die Katzenaufzuchtmilch besorgt haben. Nicht mehr als einige Stunden den Feldhasen nur mit Tee versorgen. Feldhasen dürfen nie länger als vier Stunden ohne Flüssigkeit auskommen. Obwohl Feldhasenmütter ihre Jungtiere nur ein- bis zweimal am Tag mit Milch versorgen, muss dies bei der Handaufzucht häufiger geschehen, da die Babies bei einer Handfütterung viel weniger Milch zu sich nehmen, als sie eigentlich bräuchten.

Die Fütterungen sollten ca. alle 4 Stunden erfolgen!

Das Geburtsgewicht eines Feldhasen beträgt um die 100 g. Ein gefundenes oder von Tieren angeschlepptes Baby mit gut 150 g ist ca. sieben Tage alt. Sie sollten versuchen, das Tier am ersten Tag an die Milch zu gewöhnen. Sie werden merken, dass es gar nicht so einfach ist, dem kleinen Wildfang die Milch einzuflößen. Am besten gibt man dem Kleinen Tropfen für Tropfen auf das Mäulchen, damit er auf den Geschmack kommt. Besonders gut zur Fütterung eignen sich Einwegspritzen (ohne Nadel), da man damit sehr genau dosieren kann. Wenn der Feldhase später größer ist, sollten Sie auf Aufzuchtfläschchen umsteigen. Einem knapp 150 g schweren Feldhasen sollten Sie zu Beginn der Handaufzucht um die 3 ml pro Mahlzeit versuchen einzugeben und diese Menge dann Tag für Tag erhöhen. Wenn der Kleine mehr haben möchte, lassen Sie ihn ruhig trinken soviel er möchte. Lehnt er aber nach knapp 3 ml die Milch ab, stopfen Sie ihn bitte nicht weiter voll, das kann zum Blähbauch führen. Sie werden sehen, dass er bei der nächsten oder übernächsten Fütterung wieder mehr Milch aufnehmen wird. Kleiner Tipp von uns für die ersten schwierigen Tage: Besorgen Sie sich in der Apotheke Einwegspritzen der Größe 2,0 ml, zusätzlich aus Ihrem Zoogeschäft die kleinen Gummisauger Nr.2 der Firma Gimborn (sind die einzig erhältlichen Minisauger) und stülpen diese über die Spitze der 2 ml Spritze. Passt wunderbar und ist für die ersten Tage eine wirklich Hilfe bei unwilligen Feldhasen.
Achten Sie bitte immer darauf, dass dem Kleinen keine Milch in die Nase läuft! Das kann zu Lungenentzündung führen!
Was nach jeder Mahlzeit nicht vergessen werden darf, ist die Massage des Bäuchleins, da es sonst zu Koliken kommen kann. Den Bauch immer sanft Richtung Darmausgang massieren, damit die Verdauung in Gang kommt.

Es ist sehr schwer, ein Feldhasenbaby von Hand aufzuziehen. Es kommt sehr häufig zum Tode der Tiere. Dies liegt einfach daran, dass sehr viele Feldhasenbabies Krankheitserreger in sich tragen. Durch die gute Feldhasenmuttermilch wird ihr Immunsystem allerdings sehr gut aufgebaut. Diese jedoch fehlt bei der Handaufzucht. Fast alle Feldhasenbabies sind meist an Kokzidiose erkrankt, die unbehandelt innerhalb weniger Tage erst zu Durchfall, Torkeln und dann zum Tode führt. Ist der Durchfall bei Feldhasen erst einmal da, kann der Laie nicht mehr viel für seinen kleinen Zögling tun. Da die in der Veterinärmedizin erhältlichen Medikamente gegen die Kokzidiose leider von den Feldhasen nicht vertragen werden, muss man auf ein Medikament aus der Humanmedizin zurückgreifen. Dies sollten Sie auf alle Fälle auch schon prophylaktisch machen, um den Erregern gar nicht erst die Möglichkeit zu bieten, sich auszubreiten.
Bitte besorgen Sie sich folgendes Antibiotikum aus der Apotheke: „Cotrim-K. für Kinder“, ist aber verschreibungspflichtig. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, gegebenenfalls auch mit Ihrem Hausarzt. Cotrim-K. dosieren Sie bitte wie folgt: Pro 100 g Körpergewicht geben Sie 0,1 ml Cotrim-K. nach der Milchmahlzeit. Das machen Sie bitte 2 x am Tag. Cotrim-K. wird von Feldhasen wunderbar vertragen und ist das Mittel gegen Kokzidien. Kokzidien sind die häufigste Todesursache bei Feldhasen. Zudem hilft Cotrim-K. auch bei diversen anderen Erkrankungen, wie z.B. Erkältungen, Lungenentzündungen oder Nierenerkrankungen etc., alles, was Feldhasen so mitbringen. Cotrim-K. geben Sie bitte mindestens zehn Tage lang. Da sich Antibiotika allerdings immer in irgendeiner Weise auf den Magen- und Darmtrakt negativ auswirken, sollten Sie, solange Sie Cotrim-K. verabreichen, zusätzlich Milchsäurebakterien zufüttern. Dies können Sie in Form von „bene bac“ oder „Lactogel“ machen. Beides erhältlich bei Ihrem Tierarzt.

Von Anfang der Aufzucht an muss dem Feldhasen Heu in seiner Umgebung zur ständigen Verfügung stehen. Auch wenn seine Zähne noch so klein sind, wird er sehr früh anfangen, die Heuhalme zu bearbeiten, und dies ist wichtig für die Entwicklung seiner Zähne.

Der Feldhase benötigt bis zu einem Gewicht von 600 g, besser noch 800 g, seine Aufzuchtmilch. Allerdings können Sie ab einem Gewicht von gut 300 g mit der zusätzlichen Gabe von Grünfutter anfangen. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass ab diesem Gewicht die Gefahr des Durchfalls aufgrund der Futterumstellung fast gar nicht mehr gegeben ist. Je älter der Feldhase wird, desto mehr sollte der Anteil an Grünfutter überwiegen. Ab einem Gewicht von 500 g bis 600 g reduzieren Sie bitte die Milchfütterung deutlich runter. Nicht die Menge der Milch pro Mahlzeit, sondern die Häufigkeit der Fütterungen. Füttern Sie ab 600 g z.B. nur noch einmal am Tag Milch und zwar dann bitte als Abendfütterung, so wie es in der Natur auch durch die Mutter geschehen würde. Je mehr Sie die Milch reduzieren, desto mehr Frischfutter muss er bekommen. Denn in der Natur, in die er ja bald wieder entlassen werden soll, findet er hauptsächlich Grünfutter, und darauf sollte seine Verdauung eingestellt sein. Zwischen ca. 800 g bis 1 kg sollte der Hase dann nur noch ausschließlich Grünfutter erhalten.
Bitte versuchen Sie den Feldhasen so artgerecht wie möglich zu ernähren. Das heißt kein handelsübliches Trockenfutter für Kaninchen, kein Brot, keiner Haferflocken o.ä. All diese Sachen stehen in der Natur nicht auf dem Speiseplan eines Feldhasen und haben somit in der Handaufzucht auch rein gar nichts zu suchen.

Ab einem Gewicht von gut einem Kilo ist der Feldhase soweit, dass er ausgewildert werden kann. In der Natur, durch die extrem nährstoffreiche Milch der Feldhasenmutter, erreichen Jungtiere ein Gewicht von einem Kilo schon nach ungefähr vier Wochen. Bei der Handaufzucht ist dies allerdings ausgeschlossen, auch wenn einige Informationen im Internet dies behaupten. Auch die im Internet geisternde Behauptung, ein Feldhase sollte pro Tag ein Drittel seines Körpergewichtes an Milch zu sich nehmen, ist mehr als zweifelhaft. Ein von Hand aufgezogener Feldhase wird in der Regel 8 bis 10 Wochen bei Ihnen bleiben, um dieses Gewicht zu erreichen. Natürlich wird es auch den einen oder anderen geben, der so extrem viel Milch von Anfang an aufnimmt, dass er sehr schnell sein Auswilderungsgewicht erreicht, dies wird aber eher der seltene Fall bleiben. Daher sollten Sie sich sicher sein, dem Feldhasen über diesen Zeitraum auch die Möglichkeit der freien Entfaltung bieten zu können. Schließlich ist es ja auch nicht nur damit getan, den Feldhasen in einen Käfig zu setzen und nach 8 oder 10 Wochen wieder auszuwildern. Das geht nämlich überhaupt nicht. Ein Feldhase braucht extrem viel Bewegung. Sie dürfen ihn nicht in einen Käfig sperren. Er sollte von Anfang an jeden Tag ausgiebig laufen können, damit sich seine Muskeln entwickeln können. Schließlich springt ein ausgewachsener Feldhase bis zu zwei Meter hoch und läuft bis zu 70 km/h schnell. Dies kann er aber nur, wenn er von Anfang an die Möglichkeit hat, seine Muskulatur zu entwickeln.

Sollten in Ihrem Haushalt auch Kinder leben, bitte machen Sie Ihren Kindern von Anfang an klar, dass der Feldhase kein Haus- und schon gar kein Schmusetier ist. Der Feldhase, auch wenn er als Baby noch so klein und süß ist, muss in geeignetem Alter unbedingt wieder in der Natur zurück. Die ist sein Lebensraum. Nicht das kleine Gehege im Garten oder gar ein Kaninchenkäfig in der Wohnung. Vermeiden Sie bitte jegliche zusätzliche Berührung mit dem Feldhasen. Auch wenn er klein und süß aussieht – er ist kein Schmusetier! Die Natur hat dies für das Feldhasenbaby nicht vorgesehen, und daran sollte man sich auch unbedingt halten. Bitte auch nicht dem Drang übereifriger Lehrer nachkommen, die den Kindern einreden, sie sollten das Feldhasenbaby als Anschauungsobjekt in den Unterricht mitbringen. Ein Feldhasenbaby braucht Ruhe.

Dass im Haus lebende Hunde oder Katzen gar nichts in der Nähe des Feldhasen zu suchen haben, ist völlig selbstverständlich. Hund (Fuchs) oder Katze sind die Feinde des Feldhasen. Gewöhnen Sie den Hasen gar nicht erst daran, dass Hund oder Katze doch so lieb und verschmust sind. Das wäre in der Natur sein sicherer Tod!
Leider kommt es, gerade bei extrem jungen Feldhasen, immer wieder zu den gefürchteten Blähbäuchen, die in vielen Fällen tödlich enden. Sollte es trotz aller Vorsicht zu einem Blähbauch kommen, können Sie sehr gut das aus der Humanmedizin bekannte Sab Simplex (erhältlich in der Apotheke) zusätzlich verabreichen. Der/die Kleine(n) benötigen alle 2 Stunden 1 ml Sab Simplex pur! Dabei muss immer der Bauch massiert werden. Solche Massagen können sich auch über Stunden hinstrecken. Sollte es sich um einen mittlerweile steinharten Bauch handeln, geben Sie ca. 1 Stunde nach der Sab-Simplex-Gabe einmalig 0,5 ml Paraffinöl oral und es wird kräftig weitermassiert. Sollte der Kreislauf des Tieres versagen, kann man gut 4 Tropfen schwarzen Kaffee verabreichen (aber bitte normalen und keinen „Hallo wach“ Kaffee!). Paraffinöl bitte nur im absoluten Notfall anwenden, nie prophylaktisch! Sollte Stunden später noch keine Besserung eingetreten sein, muss der Kleine einem Tierarzt vorgestellt werden, um ein entkrampfendes Mittel gespritzt zu bekommen. Man sollte nur Nutzen und Risiko eines solchen Tierarztbesuches gut abwägen, da die Babies den Stress in der Praxis nicht gut vertragen und meist kurz darauf vor Schreck sterben.

Sollten Sie weitere Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne unter 0152 34329691 (Erstkontakt Whats App) zur Verfügung.

Um einem Feldhasenbaby aber den bestmöglichen Start in sein Leben zu geben, sollten Sie ihn bitte in erfahrene Hände geben. Erfahrene Stellen in Ihrer Nähe können Sie über folgende Facebookgruppe finden Wildtier – Notfälle
Wildkaninchen
Junges Wildkaninchen

Im Gegensatz zu den Feldhasen ziehen die Wildkaninchenmütter ihre Jungtiere in Bauten auf, die nicht selten von spielenden Kindern, Hunden oder Katzen aufgegraben werden. Ein „einfach so herumliegendes“ Wildkaninchenbaby hat keine Chance mehr, allein zu überleben, da entweder der Mensch oder andere Tiere schon schneller waren und den Bau ausgeräumt haben. Diesen Wildkaninchenbabies muss geholfen werden, da sie ohne den Schutz des sicheren Baus verloren wären.

Nicht selten kommt es bei Geburten vor, dass das Muttertier stirbt und ihre Kleinen völlig auf die Hilfe des Menschen angewiesen sind, um zu überleben. Ein kleines Kaninchenbaby von Hand aufzuziehen erfordert viel Geduld. Es gibt verschiedene Dinge, die beachtet werden müssen, um den Kleinen einen erfolgreichen Start ins Leben zu ermöglichen.

Zur Aufzucht der Kleinen benötigt man gehaltvolle Katzenaufzuchtmilch, wie z.B. Cimi Lac, KMR oder Cat Milk von der Firma Gimborn. Bitte keine Menschensäuglingsnahrung verwenden! Verwechseln Sie bitte auch nicht die Katzenaufzuchtmilch mit der normalen im Handel erhältlichen Katzenmilch. Die normale Katzenmilch, die meist schon fertig angerührt ist, ist auf keinen Fall zu verwenden!

Die Katzenaufzuchtmilch rühren Sie bitte im Verhältnis 1 : 2 an, also einen gestrichenen Esslöffel Aufzuchtpulver und zwei Esslöffel Tee. Als Tee können Sie römische Kamille, normalen Kamillentee oder auch Fencheltee verwenden. Römische Kamille erhalten Sie in der Apotheke. Davon geben Sie fünf Blüten auf eine Tasse Wasser und lassen den Tee dann zehn Minuten ziehen. Sollten Sie auf die Schnelle keine Aufzuchtmilch bekommen, können Sie als Notversorgung auch ausschließlich eine der drei erwähnten Teesorten verwenden. Aber bitte immer nur als Notversorgung, bis Sie schnellstmöglich die Katzenaufzuchtmilch besorgt haben. Nicht mehr als einige Stunden den/die Kleine(n) nur mit Tee versorgen. Obwohl Kaninchenmütter ihre Jungtiere nur ein- bis zweimal am Tag mit Milch versorgen, muss dies bei der Handaufzucht häufiger geschehen, da die Babies bei einer Handfütterung viel weniger Milch zu sich nehmen, als sie eigentlich bräuchten. Die Fütterungen sollten ca. alle 4 Stunden erfolgen!

Bitte nur Kamillen- bzw. Fencheltee zum Anrühren der Milch verwenden!

Über die Menge und Häufigkeit der Fütterungen streiten sich die Gemüter. In vielen Fachbüchern ist nachzulesen, dass Kaninchenmütter ihre Jungen nur einmal am Tag säugen und daher eine einzige Fütterung reichen würde. Da die Handaufzucht aber wesentlich schwieriger ist und die Kleinen dabei auch viel weniger Milch aufnehmen, als sie es bei einer einmaligen Fütterung bei ihrer Mutter machen würden, muss man unbedningt mehr als einmal täglich füttern. Wenn die neugeborenen Kaninchen auf diese Aufzuchtmilch eingestellt oder erst mit einigen Tagen auf diese Milch umgestellt werden müssen, lehnen sie diese meist ab, und es dauert etwas, bis man sie daran gewöhnt hat. Aus diesem Grund reicht eine einmalige Fütterung am Tag nicht aus! Sind die Kaninchen unter 7 Tage (Gewicht um die 60 g bis 80 g ), sollte mit Ruhe und Geduld versucht werden, pro Mahlzeit mindestens 1 ml in die kleinen Mäuler zu bekommen. Und mindestens 1 ml täglich kann für ein heranwachsendes Kaninchen nicht ausreichend sein, schon gar nicht, weil die Aufzuchtmilch nicht so nahrhaft ist wie die Kaninchenmuttermilch. Daher sollten die Tiere ca. alle 4 Stunden gefüttert werden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, den Kaninchen die Milch zu verabreichen: Entweder mit der Einwegspritze ohne Nadel, die in den ersten Lebenstagen zu empfehlen ist oder mit einem Aufzuchtfläschchen. Ich bevorzuge bei ganz kleinen Kaninchen die Einwegspritze, da man damit viel besser dosieren kann und die Kaninchen auch keine Milch in die Nase bekommen. Von der Firma Gimborn gibt es ganz spitze und dünne Gummisauger (Nr.2), die sich hervorragend auf 2-ml-Spritzen aufziehen lassen und somit eine Fütterung fast ohne Schmierereien ermöglichen. Denn es ist unbedingt darauf zu achten, dass den Tieren keine Milch in die Nase läuft, da sie in die Lunge gelangen und es zu einer Lungenentzündung kommen könnte. Kaninchenbabies haben keine große Chance, eine Lungenentzündung zu überleben, da sie noch nicht genügend Abwehrkräfte haben. Die Milch sollte körperwarm, also mit gut 36 bis 38 Grad Celsius serviert werden. Sind die Kaninchen noch sehr jung, sollte man versuchen, mindestens 1 ml pro Fütterung zu verabreichen. Das ist noch nicht sehr viel, aber nach gut ein bis zwei Tagen wird fast jedes Kaninchen dankbar von alleine trinken. Die Tiere bitte immer mindestens so viel trinken lassen, wie sie selber möchten.

Was nach jeder Mahlzeit nicht vergessen werden darf, ist die Massage des Bäuchleins, da es sonst zu Koliken kommen kann. Den Bauch immer sanft Richtung Darmausgang massieren, damit die Verdauung in Gang kommt. Ab Ende der vierten, besser ab der fünften Woche können Sie ganz langsam versuchen, das Kaninchen an Grünfutter zu gewöhnen. Aber die Milch bitte immer weiter verabreichen. Grünfutter bitte immer nur zusätzlich anbieten.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Aufzucht ist die Wärme im Käfig. Ein gut ausgestatteter Babykäfig sollte dick mit staubfreien, unbehandelten Holzspänen ausgelegt sein. Darüber kommt eine Schicht aus ebenfalls staubfreiem Heu. In eine Ecke des Käfigs gehört ein kleines Hasenhaus, in das sich die Tiere verkriechen können und in eine andere Ecke gebe ich meist einen lockeren Berg Heu, der den Kaninchen als Versteck dienen kann. Anfangs hängt immer eine Rotlichtlampe über dem Babykäfig (aber nicht bei Feldhasen!). Ich benutze eine Rotlichstalleuchte, wie sie z. B. in Schweineställen zu finden ist. Diese Lampe darf allerdings immer nur höchstens den halben Käfig beleuchten/erwärmen, damit sich die Tiere auch mal in eine andere Ecke zurückziehen können, wenn es ihnen zu warm werden sollte. Ganz wichtig ist, dass die Lampe nie über dem Hasenhaus hängt, da es darin sonst zu einem Hitzestau kommt. Bei einer handelsüblichen Rotlichtlampe ist darauf zu achten, dass diese mindestens in 1,5 m Entfernung vom Käfig steht und die Bestrahlungsdauer nicht länger als 10 bis 15 Minuten am Stück beträgt. Diese Leuchten sind nämlich um einiges heißer als die Stalleuchten. Diesen Vorgang dann alle 30 Minuten wiederholen. Aber Vorsicht!!! Man hat uns schon Kaninchen gezeigt, die von solchen Lampen regelrecht „gegrillt“ worden sind!! Eine spezielle Rotlichtlampe für Stalltiere kann dauerhaft über dem Käfig leuchten.

Probleme, die bei der Handaufzucht auftreten können

Leider kommt es, gerade bei extrem jungen Kaninchenbabies, immer wieder zu den gefürchteten Blähbäuchen, die in vielen Fällen tödlich enden. Sollte es trotz aller Vorsicht zu einem Blähbauch kommen, können Sie sehr gut das aus der Humanmedizin bekannte Sab Simplex (erhältlich in der Apotheke) zusätzlich verabreichen. Der/die Kleine(n) benötigen alle 2 Stunden 1 ml Sab Simplex pur! Dabei muss immer der Bauch massiert werden. Solche Massagen können sich auch über Stunden hinstrecken. Sollte es sich um einen mittlerweile steinharten Bauch handeln, geben Sie ca. 1 Stunde nach der Sab-Simplex-Gabe einmalig 0,5 ml Paraffinöl oral und es wird kräftig weitermassiert. Sollte der Kreislauf des Tieres versagen, kann man gut 4 Tropfen schwarzen Kaffee verabreichen (aber bitte normalen und keinen „Hallo wach“ Kaffee!). Paraffinöl bitte nur im absoluten Notfall anwenden, nie prophylaktisch!

Sollte Stunden später noch keine Besserung eingetreten sein, muss der Kleine einem Tierarzt vorgestellt werden, um ein entkrampfendes Mittel gespritzt zu bekommen.

Sollten Sie dennoch Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne per mail oder unter 0152 34329691 (Erstkontakt Whats App) zur Verfügung.

Bitte bedenken Sie, dass zu den schlimmsten Räubern in der Natur unsere geliebten Haustiere wie Hund und Katze zählen. Wie oft kommt es vor, dass Hund oder Katze ein solches Lebewesen nach Hause schleppen? Dann ist meist guter Rat teuer. Um Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen, werden viele dieser Wildtiere von den Besitzern des „Räubers“ einfach wieder irgendwo ausgesetzt. Doch das ist der sichere Tod für diese Tiere. Meist verletzt durch das Gebiss von Hund oder Katze verbluten sie entweder elendig, oder, wenn sie Glück hatten und keine Verletzung davongetragen haben, was aber äußerst selten ist, dann verdursten und verhungern sie, da die Muttermilch fehlt.

Bitte bedenken Sie all dies, sollten Sie Ihre Katzen zum Streunen nach draußen schicken oder mit Ihrem Hund in Wald und Flur unterwegs sein. Achten Sie bitte darauf, was Ihr Hund macht. Vielleicht ist Ihnen auch gar nicht bewusst, dass Ihr Hund nicht einfach nur so aus Spaß an der Freud im Feld buddelt, sondern hart ackert, um den gefundenen Wildkaninchenbau auszugraben? Ermahnen Sie ihn, wenn er plötzlich ganz aufgeregt eine Spur verfolgt. Damit können Sie vielleicht noch rechtzeitig verhindern, dass er eine Sasse mit Feldhasenbabies aufstöbert.

Sollten Sie aber dennoch von Ihrem vierbeinigen Freund ein solches kleines Lebewesen nach Hause gebracht bekommen, dann handeln Sie bitte schnell. Informieren Sie umgehend die BunnyHilfe e.V., die Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen wird. Jede vergeudete Minute ist für das Tier ein Schritt näher zum Tod. Auch wenn die Tiere nach außen keinen verletzen Eindruck machen, haben in der Regel fast alle von Tieren angeschleppten Feldhasen- bzw. Wildkaninchenbabies keine Überlebenschance, sollten Sie nicht in erfahrene Hände geraten. Schon so manch gut gemeinter Versuch eines Laien, das Tier selber aufzuziehen, hat den Tod des Wildtieres zur Folge gehabt.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Sie können uns in dringenden Fällen unter 0152 34329691 anrufen oder eine aussagekräftige Whats App schicken.

Bei verletzten Feldhasen, bzw. Wildkaninchen wenden Sie sich nachts bitte umgehend an den tierärztlichen Notdienst. Die Nummer können Sie meist bei der zuständigen Polizeibehörde erfragen.
Alternativ können Sie sich auch an die Notfallnummer des Wildtierwaisen Schutzes wenden unter 0151 41666688.

Unser eindringlicher Appell noch einmal an dieser Stelle: Bitte fassen Sie keine Wildtiere und deren Babies in freier Natur an!! Diese Jungtiere sind damit zum Tode verurteilt, weil sie von ihren Müttern verstoßen werden, da sie nach Mensch riechen. Sollten Sie dennoch Wildtiere angefasst oder mitgenommen haben, benachrichtigen Sie bitte umgehend die zuständigen Behörden, die Ihnen weiterhelfen werden.